Zum Inhalt springen
Meditation

Meditation im Liegen: Einschlafen erlaubt?

Viele meditieren am liebsten im Bett, schlafen dabei ein und fragen sich, ob das noch zählt. Die kurze Antwort: Kommt darauf an, was Du wolltest. Wann Liegen die bessere Haltung ist, warum Einschlafen manchmal genau das Ziel ist und wie Du wach bleibst, wenn Du es willst.

Paulina Thurm5 Min. Lesezeit
Meditation im Liegen: Einschlafen erlaubt?

Ja, Du darfst im Liegen meditieren

Die Vorstellung, Meditation gehe nur im aufrechten Sitz, stammt aus Traditionen, in denen stundenlang gesessen wurde. Für zehn Minuten im Alltag ist sie nicht bindend. Liegen hat sogar Vorteile: Der Körper muss nichts halten, die Muskeln können vollständig loslassen, und wer Rücken- oder Hüftbeschwerden hat, ist im Liegen überhaupt erst in der Lage, sich auf etwas anderes als den Schmerz zu konzentrieren.

Für manche Formen ist Liegen sogar die natürliche Haltung: Der Bodyscan und die meisten Entspannungsübungen sind fürs Liegen gedacht. Einen Nachteil hat die Position allerdings, und der ist nicht klein: Sie signalisiert Deinem Körper Schlaf.

Wann Einschlafen kein Fehler ist

Wenn Du abends im Bett eine Meditation hörst, um zur Ruhe zu kommen, und dabei wegdämmerst, hast Du genau das bekommen, was Du wolltest. Einschlafmeditationen sind dafür gemacht. Sie führen den Kopf so lange, bis er die Führung nicht mehr braucht. Dass Du das Ende nie hörst, ist kein Versagen, sondern das Ziel.

Das gilt auch für den Powernap am Tag: Eine kurze geführte Entspannung im Liegen, aus der Du nach fünfzehn, zwanzig Minuten wieder auftauchst, ist eine der wirksamsten Pausen, die es gibt. Wie lang so ein Powernap sein darf, damit Du danach wach bist statt träge, ist eine eigene Frage. Kurz gesagt: nicht zu lang und nicht zu spät am Tag.

Wann Einschlafen das Ziel verfehlt

Anders sieht es aus, wenn Du eigentlich üben wolltest: wach bleiben, Gedanken bemerken, zurückkehren. Diese Übung findet im Schlaf nicht statt. Wer jede Meditation im Liegen macht und jedes Mal einschläft, trainiert vor allem eines: einschlafen. Das ist nicht schlecht, aber es ist etwas anderes als Meditation.

Der Übergang ist schleichend. Erst wird die Aufmerksamkeit weich, dann verschwimmen die Sätze, dann ist der Timer plötzlich vorbei. Wenn Dir das regelmäßig passiert, obwohl Du wach bleiben wolltest, ist das ein Hinweis auf zwei Dinge: Du bist müder, als Du denkst, und Deine Haltung lädt zum Schlafen ein. Beides lässt sich ändern.

Wie Du im Liegen wach bleibst

Erstens: nicht im Bett. Der Boden mit einer Matte, das Sofa, eine Decke im Wohnzimmer, alles besser als der Ort, den Dein Körper mit Schlaf verknüpft. Zweitens: Augen einen Spalt offen lassen, Blick weich zur Decke. Drittens: die Knie aufstellen oder einen Arm leicht anheben. Solange ein Teil des Körpers etwas hält, bleibt das System wach.

Viertens: Wähle die Tageszeit klug. Direkt nach dem Mittagessen oder nach 22 Uhr wird es schwer. Und fünftens: Nimm eine Meditation, die zum Wachbleiben gemacht ist, mit klaren Anweisungen und ohne einschläfernde Musik. Wenn all das nicht hilft, ist die ehrliche Lösung ein Stuhl. Sitzen und Liegen dürfen sich im selben Tag abwechseln.

Liegen als Einstieg in die Nacht

Für viele ist die Meditation im Liegen der Einstieg in eine feste Abendroutine, und das ist ihre größte Stärke. Licht aus, Kopfhörer rein, eine Stimme, die durch den Körper wandert oder eine ruhige Geschichte erzählt. Der Kopf bekommt eine Spur und hört auf, eigene Gedanken zu produzieren. Genau das ist der Mechanismus, der auch Einschlafgeschichten für Erwachsene so wirksam macht.

Wer nachts wach liegt und ins Gedankenkarussell gerät, hat mit einer geführten Meditation im Liegen ein Werkzeug, das nichts verlangt: kein Sitzen, kein Können, kein Wachbleiben. Nur zuhören.

Beides hat seinen Platz

Im Sitzen übst Du, wach und klar zu bleiben. Im Liegen übst Du, loszulassen. Beides ist Meditation, und beides tut Dir gut, wenn Du weißt, was Du gerade willst. Die Haltung ist kein Regelwerk, sondern ein Werkzeug, das Du passend zum Ziel wählst.

Im House of Peace findest Du für beides die passenden Audios: kurze Sitzmeditationen für den Tag und lange Begleitungen fürs Liegen, vom Bodyscan bis zur Einschlafgeschichte. Mit einer Stimme, die Dich hält, egal ob Du wach bleibst oder wegdämmerst.

Paulina Thurm
Meditationslehrerin, Autorin & Gründerin des House of Peace

Paulina Thurm ist Autorin ("Kleine Meditationen für jede Gelegenheit") und Host des Podcasts "Meditation für jeden Tag", der über 30 Millionen Mal gehört wurde. Im House of Peace begleitet sie Dich mit über 600 Audios durch Deinen Alltag.

Zum Loslassen begleitet werden

Im House of Peace findest Du Bodyscans, Einschlafmeditationen und Sleep Stories fürs Liegen, dazu kurze Sitzmeditationen für den Tag. Auf Deutsch gesprochen, gemacht für beide Momente.

Mehr über besseren Schlaf
WeiterblätternMorgens oder abends meditieren? Was zu welcher Tageszeit passt