Zum Inhalt springen
Meditation

Meditation im Liegen: Einschlafen erlaubt?

Viele meditieren am liebsten im Bett, schlafen dabei ein und fragen sich, ob das noch zählt. Die kurze Antwort: Kommt darauf an, was Du wolltest. Wann Liegen die bessere Haltung ist, warum Einschlafen manchmal genau das Ziel ist und wie Du wach bleibst, wenn Du es willst.

Paulina ThurmAktualisiert am 8. September 20268 Min. Lesezeit
Meditation im Liegen: Einschlafen erlaubt?

Ja, Du darfst im Liegen meditieren

Die Vorstellung, Meditation gehe nur im aufrechten Sitz, stammt aus Traditionen, in denen stundenlang gesessen wurde. Für zehn Minuten im Alltag ist sie nicht bindend. Liegen hat sogar Vorteile: Der Körper muss nichts halten, die Muskeln können vollständig loslassen, und wer Rücken- oder Hüftbeschwerden hat, ist im Liegen überhaupt erst in der Lage, sich auf etwas anderes als den Schmerz zu konzentrieren.

Für manche Formen ist Liegen sogar die natürliche Haltung: Der Bodyscan und die meisten Entspannungsübungen sind fürs Liegen gedacht. Einen Nachteil hat die Position allerdings, und der ist nicht klein: Sie signalisiert Deinem Körper Schlaf.

Wann Einschlafen kein Fehler ist

Wenn Du abends im Bett eine Meditation hörst, um zur Ruhe zu kommen, und dabei wegdämmerst, hast Du genau das bekommen, was Du wolltest. Einschlafmeditationen sind dafür gemacht. Sie führen den Kopf so lange, bis er die Führung nicht mehr braucht. Dass Du das Ende nie hörst, ist kein Versagen, sondern das Ziel.

Das gilt auch für den Powernap am Tag: Eine kurze geführte Entspannung im Liegen, aus der Du nach fünfzehn, zwanzig Minuten wieder auftauchst, ist eine der wirksamsten Pausen, die es gibt. Wie lang so ein Powernap sein darf, damit Du danach wach bist statt träge, ist eine eigene Frage. Kurz gesagt: nicht zu lang und nicht zu spät am Tag.

Wann Einschlafen das Ziel verfehlt

Anders sieht es aus, wenn Du eigentlich üben wolltest: wach bleiben, Gedanken bemerken, zurückkehren. Diese Übung findet im Schlaf nicht statt. Wer jede Meditation im Liegen macht und jedes Mal einschläft, trainiert vor allem eines: einschlafen. Das ist nicht schlecht, aber es ist etwas anderes als Meditation.

Der Übergang ist schleichend. Erst wird die Aufmerksamkeit weich, dann verschwimmen die Sätze, dann ist der Timer plötzlich vorbei. Wenn Dir das regelmäßig passiert, obwohl Du wach bleiben wolltest, ist das ein Hinweis auf zwei Dinge: Du bist müder, als Du denkst, und Deine Haltung lädt zum Schlafen ein. Beides lässt sich ändern.

Wie Du im Liegen wach bleibst

Erstens: nicht im Bett. Der Boden mit einer Matte, das Sofa, eine Decke im Wohnzimmer, alles besser als der Ort, den Dein Körper mit Schlaf verknüpft. Zweitens: Augen einen Spalt offen lassen, Blick weich zur Decke. Drittens: die Knie aufstellen oder einen Arm leicht anheben. Solange ein Teil des Körpers etwas hält, bleibt das System wach.

Viertens: Wähle die Tageszeit klug. Direkt nach dem Mittagessen oder nach 22 Uhr wird es schwer. Und fünftens: Nimm eine Meditation, die zum Wachbleiben gemacht ist, mit klaren Anweisungen und ohne einschläfernde Musik. Wenn all das nicht hilft, ist die ehrliche Lösung ein Stuhl. Sitzen und Liegen dürfen sich im selben Tag abwechseln.

Eine Anleitung für zehn wache Minuten im Liegen

Leg Dich auf eine Matte oder einen Teppich, nicht ins Bett. Knie aufgestellt, Füße hüftbreit, Arme neben dem Körper, Handflächen nach oben. Augen einen Spalt offen, Blick weich zur Decke. Timer auf zehn Minuten.

Minute eins und zwei: Spüre die Auflageflächen. Fersen, Becken, Schulterblätter, Hinterkopf. Lass den Körper bei jedem Ausatmen schwerer werden, ohne einzuschlafen. Minute drei bis sieben: Atem. Die Hand auf dem Bauch hebt und senkt sich, das ist Dein Anker. Wenn die Gedanken wandern, kehr zur Hand zurück. Wenn die Schwere zu groß wird, öffne die Augen etwas weiter oder heb einen Unterarm leicht an.

Minute acht und neun: Weiten. Alles zulassen, was da ist: Geräusche, Gedanken, Körpergefühle, ohne einem davon zu folgen. Minute zehn: Zurückkommen. Finger und Zehen bewegen, sich strecken, auf die Seite rollen, langsam aufsetzen. Ein Moment sitzen, bevor der Tag weitergeht.

Liegen im Alltag: Wo es überall geht

Die Meditation im Liegen ist nicht ans Schlafzimmer gebunden. Auf der Wiese im Park, mit dem Rucksack unter dem Kopf. Auf dem Sofa in der Mittagspause, mit dem Wecker auf fünfzehn Minuten. Auf dem Boden im Büro, wenn es einen Ruheraum gibt, oder auf einer Bank, wenn die Sonne scheint. Im Zug mit zurückgelehntem Sitz, das ist ein halbes Liegen und reicht für einen Bodyscan.

Der Vorteil dieser Orte gegenüber dem Bett: Der Körper verbindet sie nicht mit Schlaf, und das Wachbleiben fällt leichter. Der Nachteil: mehr Geräusche und weniger Privatsphäre. Beides ist Übungsmaterial. Wer lernt, auf einer Parkbank zehn Minuten im Körper zu bleiben, während nebenan Kinder spielen, hat etwas gelernt, das im stillen Zimmer nicht zu lernen ist.

Ein Powernap ist übrigens die Schwester der Meditation im Liegen: gleiche Haltung, anderes Ziel. Wer beides kennt, kann mittags wählen, was der Tag braucht.

Für wen Liegen die bessere Wahl ist

Es gibt Menschen, für die Sitzen nicht die richtige Haltung ist, und sie sollten sich nicht dazu zwingen. Wer Rücken-, Hüft- oder Knieprobleme hat, sitzt nach fünf Minuten nur noch mit dem Schmerz und nicht mehr mit dem Atem. Wer sehr erschöpft ist, etwa nach Krankheit oder in einer Phase von Dauerstress, braucht Liegen als Erholung, nicht Sitzen als Übung. Und wer mit starker innerer Unruhe kommt, findet im Liegen oft überhaupt erst den Zugang zum Körper, weil nichts gehalten werden muss.

Auch für Schwangere in späteren Monaten ist die Seitenlage mit Kissen oft die einzige bequeme Position, und für Menschen, die mit Angst und Panik zu tun haben, kann der feste Kontakt des ganzen Rückens zum Boden ein Gefühl von Halt geben, das im Sitzen fehlt.

In all diesen Fällen ist Liegen nicht die Ausnahme, sondern die richtige Wahl. Meditation soll dem Menschen dienen, nicht der Haltung.

Liegen als Einstieg in die Nacht

Für viele ist die Meditation im Liegen der Einstieg in eine feste Abendroutine, und das ist ihre größte Stärke. Licht aus, Kopfhörer rein, eine Stimme, die durch den Körper wandert oder eine ruhige Geschichte erzählt. Der Kopf bekommt eine Spur und hört auf, eigene Gedanken zu produzieren. Genau das ist der Mechanismus, der auch Einschlafgeschichten für Erwachsene so wirksam macht.

Wer nachts wach liegt und ins Gedankenkarussell gerät, hat mit einer geführten Meditation im Liegen ein Werkzeug, das nichts verlangt: kein Sitzen, kein Können, kein Wachbleiben. Nur zuhören.

Beides hat seinen Platz

Im Sitzen übst Du, wach und klar zu bleiben. Im Liegen übst Du, loszulassen. Beides ist Meditation, und beides tut Dir gut, wenn Du weißt, was Du gerade willst. Die Haltung ist kein Regelwerk, sondern ein Werkzeug, das Du passend zum Ziel wählst.

Im House of Peace findest Du für beides die passenden Audios: kurze Sitzmeditationen für den Tag und lange Begleitungen fürs Liegen, vom Bodyscan bis zur Einschlafgeschichte. Mit einer Stimme, die Dich hält, egal ob Du wach bleibst oder wegdämmerst.

Häufige Fragen zur Meditation im Liegen

Welche Liegeposition ist für Meditation am besten?

Die Rückenlage mit leicht geöffneten Beinen und den Armen neben dem Körper. Wer im unteren Rücken Spannung spürt, legt ein Kissen oder eine gerollte Decke unter die Knie. Ein flaches Kissen unter dem Kopf hält den Nacken lang. Die Seitenlage ist zum Einschlafen gut, für wache Meditation aber weniger geeignet, weil der Körper sie mit Schlaf verknüpft.

Ist Meditation im Liegen genauso wirksam wie im Sitzen?

Für Entspannung, Körperwahrnehmung und das Einschlafen ist Liegen oft sogar wirksamer. Für die Übung, wach und klar zu bleiben, ist Sitzen im Vorteil, weil der Körper etwas halten muss. Es geht also weniger um besser oder schlechter als um das Ziel. Wer beides nutzt, hat für jeden Zweck das passende Werkzeug.

Was mache ich, wenn mir im Liegen der Rücken wehtut?

Knie aufstellen oder eine Rolle unter die Knie legen, das entlastet die Lendenwirbel. Auf eine Matte oder einen Teppich statt auf den nackten Boden. Wenn der Schmerz bleibt oder in die Beine ausstrahlt, ist das kein Meditationsproblem, sondern ein Fall für die Ärztin oder den Arzt. Meditation soll nichts überdecken, was abgeklärt gehört.

Kann ich im Liegen auch Atemübungen machen?

Ja, und für viele ist das der leichteste Einstieg, weil der Bauch im Liegen von selbst mitgeht. Eine Hand auf den Bauch, vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus, und die Hand heben und senken spüren. Das ist Meditation und Atemübung zugleich und funktioniert auch im Bett, wenn der Schlaf nicht kommt.

Wie lange sollte eine Meditation im Liegen dauern?

Zum Wachbleiben zehn bis fünfzehn Minuten, länger wird es schwer, nicht wegzudämmern. Zum Einschlafen so lang, wie es braucht, meist zwanzig bis vierzig Minuten mit einer Stimme, die leiser wird. Als Pause am Tag zehn bis zwanzig Minuten mit Wecker, damit ein Powernap nicht zum Tiefschlaf wird.

Paulina Thurm
Meditationslehrerin, Autorin & Gründerin des House of Peace

Paulina Thurm ist Autorin ("Kleine Meditationen für jede Gelegenheit") und Host des Podcasts "Meditation für jeden Tag", der über 30 Millionen Mal gehört wurde. Im House of Peace begleitet sie Dich mit über 700 Audios durch Deinen Alltag.

Zum Loslassen begleitet werden

Im House of Peace findest Du Bodyscans, Einschlafmeditationen und Sleep Stories fürs Liegen, dazu kurze Sitzmeditationen für den Tag. Auf Deutsch gesprochen, gemacht für beide Momente.

Mehr über besseren Schlaf
WeiterblätternMorgens oder abends meditieren? Was zu welcher Tageszeit passt